Seit 1999 steht cove für maßgeschneiderte Garderobe nach Tradition. Mit der „Line of Excellence“ lancieren cove und das manager magazin nun eine exklusive Business-Mode-Kollektion.

Der Text 'Line of Excellence' in weißen Buchstaben auf schwarzem Hintergrund.

Interview mit Nikolaus Degorsi

Nikolaus Degorsi prägt seit Jahrzehnten die Welt der Maßschneiderei. Als Schneidermeister und Geschäftsführer von cove verantwortet er Modelle, Schnitte und Qualität des Hauses. Im Interview spricht er über moderne Business-Garderobe, Maßarbeit und die Details, die echte Qualität ausmachen.


Sie sind seit Jahrzehnten in der Branche: Haben Kundinnen und Kunden heute andere Ansprüche an einen Maßanzug? Was hat sich verändert?

Absolut. Früher stand häufig vor allem die formale Wirkung im Vordergrund – heute geht es zusätzlich um Persönlichkeit, Komfort und Vielseitigkeit. Unsere Kundinnen und Kunden erwarten, dass ein Maßanzug nicht nur repräsentativ aussieht, sondern ihren Alltag intelligent begleitet. Ein Sakko muss morgens im Vorstandsgespräch genauso funktionieren wie abends beim Dinner oder auf Reisen. Gleichzeitig ist das Bewusstsein für Qualität deutlich gestiegen: Herkunft der Stoffe, Verarbeitung, Nachhaltigkeit und Langlebigkeit spielen heute eine wesentlich größere Rolle als noch vor zwanzig Jahren. 

Wie verändert sich die Business-Garderobe, wenn Meetings mal im Konferenzraum und mal digital stattfinden?

Die Business-Garderobe wird flexibler und subtiler. In digitalen Meetings wirken Proportionen, Farben und Oberflächen anders als im persönlichen Gespräch. Deshalb achten wir heute stärker auf ruhige Silhouetten, präzise Schulterlinien und Stoffe mit natürlicher Struktur statt stark glänzender Oberflächen. Gleichzeitig darf Kleidung nicht zu steif wirken. Moderne Business-Garderobe muss Kompetenz ausstrahlen, ohne Distanz aufzubauen. Der Anzug wird dadurch entspannter – aber keineswegs beliebiger.

Business-Mode ist insgesamt mehr leger geworden, Sneaker zum Anzug sind nur ein Beispiel. Was bedeutet das für einen bürotauglichen Maßanzug?

Ein zeitgemäßer Maßanzug muss heute deutlich vielseitiger gedacht werden. Das bedeutet weichere Konstruktionen, leichtere Stoffe und eine präzisere Balance zwischen Eleganz und Lässigkeit. Ein gut gemachter Maßanzug funktioniert heute mit Krawatte genauso überzeugend wie mit Poloshirt oder hochwertigen Sneakern. Entscheidend ist dabei, dass die Proportionen stimmen. Legerer Stil bedeutet nicht weniger Präzision – im Gegenteil: Je reduzierter ein Look ist, desto stärker fallen Schnitt und Passform ins Gewicht.

Sie sind seit Jahrzehnten Schneidermeister: Woran erkennen Sie auf den ersten Blick, ob ein Anzug wirklich gut gemacht ist?

Zuerst an der Haltung des Kleidungsstücks. Ein hochwertiger Anzug hat eine gewisse Ruhe. Die Schulter fällt sauber, das Revers rollt natürlich, die Front bleibt in Bewegung stabil. Man erkennt sofort, ob ein Anzug mit Spannung arbeitet oder harmonisch mit dem Körper fällt. Außerdem sieht man gute Verarbeitung oft an Dingen, die nicht auffallen: keine Unruhe im Rücken, kein Ziehen am Knopfpunkt, keine überladene Silhouette. Qualität zeigt sich selten laut.

Welche Rolle spielt die Schnittführung für den Tragekomfort – und was unterscheidet hier Maßarbeit von Konfektion?

Die Schnittführung ist entscheidend. Jeder Mensch hat unterschiedliche Körperhaltungen, Schulterstellungen oder Bewegungsmuster. Konfektion basiert zwangsläufig auf Durchschnittswerten. Maßarbeit hingegen berücksichtigt den individuellen Körper in seiner Dynamik. Ein guter Maßschnitt sorgt dafür, dass ein Anzug nicht nur im Stehen gut aussieht, sondern sich auch beim Sitzen, Gehen oder Reisen natürlich anfühlt. Echter Komfort entsteht nicht durch Elastan, sondern durch präzise Schnitttechnik.

Viele sprechen über Stoffe – aber wie entscheidend ist die innere Konstruktion eines Anzugs für seine Qualität?

Sie ist letztlich das Herzstück des Anzugs. Der schönste Stoff verliert seine Wirkung, wenn die innere Konstruktion nicht stimmt. Ein hochwertiger Anzug lebt von seinem Innenleben: Rosshaareinlagen, sorgfältige Fixierungen, handwerklich aufgebaute Brustpartien und sauber ausbalancierte Fronten sorgen dafür, dass ein Sakko Form, Spannung und Eleganz über Jahre behält. Genau dort trennt sich echte Schneiderkunst von rein optischer Mode.

Wie stellen Sie sicher, dass ein Anzug nicht nur bei der Anprobe, sondern auch im Alltag dauerhaft perfekt sitzt?

Der entscheidende Punkt ist Beobachtung. Wir analysieren nicht nur Maße, sondern Haltung, Bewegungsabläufe und Tragegewohnheiten. Jemand, der viel reist oder täglich mehrere Stunden sitzt, benötigt andere Balancepunkte als jemand, der überwiegend steht oder präsentiert. Zudem endet unsere Arbeit nicht mit der ersten Anprobe. Ein guter Maßanzug entwickelt sich gemeinsam mit seinem Träger – deshalb gehören der Feinschliff und langfristige Betreuung für uns selbstverständlich dazu.

Gibt es Details in der Maßschneiderei, die heute oft unterschätzt werden, für Sie aber entscheidend sind?

Sehr viele sogar. Beispielsweise die exakte Position des Armlochs. Es beeinflusst maßgeblich die Bewegungsfreiheit und die gesamte Silhouette. Oder die Balance zwischen Vorder- und Rückenteil eines Sakkos – ein Detail, das kaum jemand bewusst wahrnimmt, das aber darüber entscheidet, ob ein Anzug souverän fällt oder permanent arbeitet. Auch Knopfstellung, Reversbreite oder die Form der Schulter haben enorme Wirkung. Große Eleganz entsteht oft aus millimetergenauen Entscheidungen.

Wie viel „Handschrift des Schneiders“ steckt am Ende in einem individuellen Anzug?

Sehr viel. Maßschneiderei ist immer auch Interpretation. Natürlich orientieren wir uns an den Wünschen des Kunden – aber ein erfahrener Schneider erkennt oft sehr schnell, welche Linien, Proportionen und Details einer Persönlichkeit wirklich gerecht werden. Die Handschrift zeigt sich weniger in modischen Effekten als in Haltung, Balance und Charakter. Ein guter Maßanzug soll nicht den Schneider sichtbar machen, sondern die Persönlichkeit seines Trägers präzisieren.

Wie stellen Sie sicher, dass jeder Kunde – unabhängig von Figur oder Stil – die für ihn optimale Lösung erhält?

Indem wir zuerst zuhören und beobachten, bevor wir gestalten. Maßschneiderei bedeutet für uns nicht, Menschen in ein stilistisches Ideal zu pressen. Es geht darum, individuelle Stärken sichtbar zu machen. Jeder Kunde bringt andere Voraussetzungen mit – körperlich, beruflich und persönlich. Unsere Aufgabe ist es, daraus eine Lösung zu entwickeln, die authentisch wirkt und langfristig funktioniert. Ein wirklich guter Maßanzug fühlt sich deshalb nie verkleidet an, sondern selbstverständlich.