Seit 1999 steht cove für maßgeschneiderte Garderobe nach Tradition. Mit der „Line of Excellence“ lancieren cove und das manager magazin nun eine exklusive Business-Mode-Kollektion.

Der Text 'Line of Excellence' in weißen Buchstaben auf schwarzem Hintergrund.

Interview mit Andreas Voulgaris

Creative Director Andreas Voulgaris erklärt, welche Farbkombinationen Unsicherheit signalisieren und warum man mit einem marineblauen Anzug immer auf der richtigen Seite ist.


Herr Voulgaris, welche typischen Anzug-Sünden fallen Ihnen sofort ins Auge?

Die größte Sünde ist nicht der falsche Schuh, es ist Gedankenlosigkeit. Cognacfarbene Schuhe zu einem dunklen Anzug sind dafür ein gutes Beispiel: Sie schreien nach Individualität, ohne sie wirklich zu besitzen. Ähnlich verhält es sich mit Schwarz-Blau-Kombinationen: Das wirkt selten souverän, meist unentschieden. Ein ungebügeltes Hemd ist übrigens kein Stilbruch, sondern ein Mangel an Respekt – sich selbst und der Situation gegenüber.

Gibt es zeitlose Faustregeln, mit denen ich einen modischen Fauxpas vermeiden kann?

Ja und sie sind erstaunlich einfach. Dunkle Anzüge verlangen nach dunklen Schuhen. Grau und Blau lassen sich kombinieren, aber das Sakko darf niemals heller sein als die Hose. Und eine Regel ist nicht verhandelbar: Ein Hemd gehört in die Hose. Alles andere ist Nachlässigkeit, die sich als Lässigkeit tarnt.

Stil ist kein Experimentierfeld für Unsicherheit. Wer Regeln kennt, darf sie ignorieren – alle anderen sollten sich daran halten.

Beim Maßanzug wird jedes Kleidungsstück individuell gefertigt. Worin liegt der entscheidende Unterschied zur Konfektion?

Wer einen Anzug trägt, ist damit nicht automatisch gut angezogen. Der Unterschied liegt in der Balance: Haltung, Proportion, Bewegung. Ein Maßanzug korrigiert nichts – er bringt den Träger ins Gleichgewicht. Gestalterisch geht es um Präzision: Revers, Schulter, Silhouette. Wir arbeiten mit einer vollwertigen Canvas-Verarbeitung, weil ein Sakko auch Struktur braucht – nicht nur Optik. Ob italienische Leichtigkeit oder englische Strenge: Stil ist keine Nationalität, sondern eine Entscheidung. Der Anzug soll nicht auffallen. Er soll überzeugen.

Sie verarbeiten Materialien wie Leinen, Kaschmir und feine Merinowolle. Für welche Anlässe empfehlen Sie welche Faser?

Ich denke nicht in Trends, sondern in Gewichtsklassen. Bis 250 Gramm sprechen wir von Sommertuchen: offen gewebt, atmungsaktiv, intelligent. Leinen gehört dazu: Es knittert, ja – aber das ist kein Makel, sondern Charakter. Wer Perfektion erwartet, hat Leinen nicht verstanden.

Zwischen 250 und 300 Gramm bewegen wir uns bei Ganzjahresstoffen. Das ist die vernünftigste Kategorie: Wolle, Wolle-Seide, hochwertige Baumwolle. Ideal für Business und für Menschen, die ihren Anzug nicht schonen, sondern nutzen.

Ab 300 Gramm beginnt die Tuche für die kalte Jahreszeit. Flanell, Moleskin, Tweed, also Stoffe mit Substanz. Kaschmir oder Vikunja sind Luxus, aber kein lauter. Sie sind für Menschen gedacht, die Qualität erkennen, ohne darüber sprechen zu müssen.

Welches Vorurteil über Maßanzüge würden Sie gerne aus der Welt schaffen?

Dass sie unbezahlbar oder unbequem seien. Beides ist falsch. Ein gut gemachter Maßanzug ist komfortabler als jede Konfektion und langlebiger als jeder Trend. Vor allem aber ist er kein Statussymbol. Er ist ein Werkzeug. Unser Ansatz ist serviceorientiert, aber nicht unterwürfig. Maßnehmen ist kein technischer Akt, sondern ein kultureller Dialog. Wie gute Winzer versuchen wir, Verständnis zu schaffen für Material, für Handwerk, für Wirkung. Ein Maßanzug ist eine langfristige Investition und eine klare Entscheidung gegen Fast Fashion.

Welchen Rat geben Sie Kunden, die zum ersten Mal einen Maßanzug kaufen?

Beginnen Sie nicht spektakulär, sondern intelligent. Ein marineblauer Anzug ist keine sichere Wahl – er ist die richtige. Zeitlos, kombinierbar, souverän. Alles andere kann warten. Mein Rat lautet zudem: Nehmen Sie sich Zeit. Ein Maßanzug ist kein schneller Kauf, sondern eine Ausbildung in eigener Sache. Man lernt, wie Kleidung wirkt – und warum. Man lernt dabei etwas fürs Leben – über Passform, Stil und die eigene Wirkung.